Welch ein Geschrei! Wollten wir doch gestern einfach nur mal unsere Freunde besuchen und ein Kaffee trinken. Das Isabel ein wenig ihre
Fremdelphase hatte hat Ramona ja schon beim dem Babytreffen festgestellt. Nur schwer war Isabel ein Lachen zu entlocken, wo wir noch überlegt haben, ob es die Fremdelphase ist oder nicht. Gestern war aber nicht zu übersehen,
unser Kind fremdelt!
Wir kommen in die Wohnung und schon ging das Geschrei los. Schon ein Blick von Christian oder Bea haben ausgereicht um dicke Krokodilstränen zu produzieren und die Katze mit dem Geschrei in die Flucht zu schlagen. Auch eine Entfernung von 4 Metern hat nicht ausgereicht um Isabel zu beruhigen. Trösten können nur noch Papa und Mama. Aber nachdem der Früchtebrei und ein halber Apfel gegessen waren wurde es langsam besser. Auch auf dem Boden krabbeln ging dann nach einer Stunde und der Katze hinterher krabbeln hat auch abgelenkt.
Aber
warum fremdeln Babys? Wie geht man am besten mit der Fremdelphase um, wenn Bekannte plötzlich misstrauisch beäugt oder abgewiesen werden?
Mit ca. 8 Monaten beginnt die Fremdelphase, die auch als
Achtmonatsangst bezeichnet wird. Krabbelkinder nehmen zwischen dem siebten und achten Monat erstmals
Unterschiede zwischen Menschen bewusst wahr. Bis dahin haben sich Kinder ausgiebig mit den Gesten, Lauten, Gerüchen und Mimiken ihrer Eltern vertraut gemacht und jetzt werden Unterschiede bemerkbar. Oh, der / die / das ist ja ganz anders als meine Eltern, da halte ich mal lieber Abstand.
Dieser
Entwicklungsschritt ist ein sehr Wichtiger bei den Kindern, denn so lernen sie im Grunde eine
Sicherheitsmaßnahme gegen Neues und Fremdes. Man stelle sich vor jedes Kind würde bei fremden Menschen freudig reagieren, wie sollen denn dann Kinder eine innere Angst entwickeln. Gerade in der heutigen Zeit ist doch ein gewisses
Urvertrauen in seine Eltern und die Furcht vor Fremden sehr wichtig. Experten meinen, dass sich
Vorsicht und Misstrauen sogar lohnen, um sich
vor negativen Erfahrungen zu schützen.
Da die Kleinen ihr Gefühl noch nicht in Worte fassen kann, bleiben ihnen nicht viele Kommunikationsmittel. Doch eine deutliche und eigentlich unmissverständliche Sprache sprechen alle:
weinen und schreien, hinter Mamas Beinen verstecken oder den
Kopf von dem "Fremden" abwenden. Diese Phase ist jedoch bei einem Kind ganz normal. Bei manchen ist die Fremdelphase mehr ausgeprägt und bei manchen weniger.
In dieser Phase ist es
für die Kleinen ganz wichtig, dass sie
verstanden werden. Sie möchten weder Mamis Nerven auf die Probe stellen noch die Familie an den Rand der Verzweiflung treiben -
ihre Angst ist echt. Was sie nun brauchen, sind die Eltern, die zu ihnen halten und beschützen. Eltern sollten diese Beschützerrolle, die ihnen von ihrem Kind zugewiesen wird, unbedingt akzeptieren und auf Signale von Berührungsängsten Fremden gegenüber reagieren. Lieber für eine sichere Distanz zu der betreffenden Person sorgen, ein paar Schritte mit dem Kind zurückgehen, es streicheln, auf den Arm nehmen und beruhigend mit ihm sprechen.
Ganz falsch wäre es, Kontakte zu erzwingen (z.B. mit dem Kind auf dem Arm auf die betreffende Person zuzugehen), sich über die Angst lächerlich zu machen oder zurechtzuweisen. Kinder brauchen Zeit, von sich aus Kontakt aufzunehmen. Gibt man ihnen diese Zeit, beginnen sie meist von ganz allein - aus der sicheren Geborgenheit heraus zu flirten: den Fremden abwechseln verstohlene Blicke zuzuwerfen und schnell wieder wegzusehen.
Auslöser für die Fremdeln sind zum einen
Angst vor dem Unbekannten, zum anderen gleichzeitig die
Angst vor der Trennung von den Bezugspersonen. Hilfreich kann es sein,
kleine Trennungen schon früh zu üben. Besonders geeignet ist das wohl jedem bekannte
Guck-Guck-Spiel. Man versteckt sich hinter einer Tür, der Couch oder hält sich einfach ein Tuch vor das Gesicht, ruft "guck-guck", kommt aus seinem Versteck hervor und sagt "Huhu!" Nach kurzer Zeit wird das Kind das Tuch selbst wegreißen wollen und sich vergnügt freuen, wenn es Mami oder Papi wiederfindet. Hinter einem Sessel kann man sich von kleinen Krabblern auch prima entdecken lassen. Mit der Zeit kann man solche Spiele ein wenig steigern, indem man für einen Moment die Tür hinter sich zuzieht und vielleicht anlehnt (nicht schließen - das hat etwas Endgültiges und kann schnell zu Angst und Schreien führen) bevor man sich wieder zeigt. Spielen sollte man auf diese Weise aber nur, solange die Kleinen Spaß daran haben und
nicht versuchen, die Grenzen zu testen, was an Trennung schon möglich ist.
Und Mami und Papi dürfen ruhig stolz darauf sein, denn das Lächeln, mit dem sie nun freundlich begrüßt wird, ist ein anderes Lächeln, als das zuvor. Dieses Lächeln ist ein ganz persönlicher Gruß, mit dem die Kleinen ihre Liebe und das Wiedererkennen ausdrücken.