Wie auch letztes Jahr schon habe ich meiner Liebsten wieder "eine Woche Kind frei" geschenkt. Auch Isabels Opa war wieder dabei, aber diesmal nicht bei Oma in Forst sondern auf einem Bauernhof im Allgäu. Besser gesagt in Roßhaupten Sameister bei Klaudia und Stefan im Landhaus Klöck. Da wir ja doch versuchen unserem Großstadtkind die Natur näher zu bringen und auch vermitteln wollen, dass die Milch nicht selbstverständlich im Kühlregal steht sondern wirklich von Kühen kommt, haben wir diese Jahr beschlossen "Urlaub auf dem Bauernhof" zu machen.
So ging es bei durchaus unbeständigem Wetter von München Richtung Starnberg und dann weiter Richtung Forggensee. Nach der Ankunft wurden dann gleich die Fahrräder und der Anhänger hergerichtet und nochmal einkaufen gefahren. So konnte man auch gleich mal testen wie es sich im hügeligen Gelände so macht. Neben den riesigen Bergspitzen der Alpen wirkt dann so ein hügeliges Gelände dann doch sehr eben. Alles eine Sache der Sichtweise.
Und abends ging es dann zur Sache. Die Kühe mussten von der Weide geholt werden. Also Isabel auf die Schulter und los ging's mit Stefan und Klaudia. Gemächlich wurden die Kühe dann auf den Hof getrieben und kaum hatten sich alle im Stall sortiert ging es ans Melken. Für Isabel natürlich wieder was total Spannendes und Neues. Die Bäuerin erklärt alles und Isabel ist sprachlos aber nicht tatenlos. Auch wenn Isabel Respekt vor den großen Tieren hat, so hat sie doch keine Berührungsängste und will unbedingt auch mal melken. Bei Familie Klöck alles kein Problem und so durfte Isabel das erste Mal in ihrem Leben eine Kuh melken und sehen wo die Milch her kommt. Danach wurde noch gefüttert und dabei haben wir erfahren, dass eine Kuh auch Isabel heißt. Nunja man kann sich sicher vorstellen, dass eine Isabel die andere verwöhnt hat. Aber es war ein Geben und Nehmen. Isabel-Mensch hat Isabel-Kuh ganz viel Heu gegeben und Isabel-Kuh hat Isabel-Mensch dafür ganz viel Milch gegeben. Es war erstaunlich, wie Isabel ohne Ängste im Stall rumgelaufen ist und die Kühe gefüttert hat, die Kälbchen gestreichelt hat und sich von den Kälbchen abschlecken lassen hat. Keinerlei Angst zu verspüren aber dennoch lieb und respektvoll zu den Tieren.
Mich erinnert dies alles an meinen USA Aufenthalt vor vielen Jahren, als ich auch auf einer Kuh Farm "gelebt und gearbeitet" habe. Man fühlt sich sofort wieder zurückversetzt und man kann nicht einfach da stehen und zuschauen, wenn schon Isabel mit freudig glänzenden Augen rumläuft. Nein ich musste mit anpacken und dem Bauern auch ein wenig zur Hand gehen.
So haben wir uns dann unsere frische Milch verdient, die es als Belohnung in einem kleinen Milchkännchen gab. Dies ist eine Sache, die ich jeden nur raten kann. Trinkt einmal in eurem Leben super frische Kuhmilch und ihr werdet ein Geschmackserlebnis haben. Es geht nichts über frische Kuhmilch direkt von der Quelle. Es war damals in den USA so und es auch diesmal im Allgäu wieder so.
Natürlich mussten wir auch jeden Tag um fünf wieder auf dem Bauernhof sein, damit Isabel die Kühe füttern konnte und ihre frische Milch abholen konnte. Und weil die Kühe ja nicht genug sind, wurden auch noch die Eier von den Hühnern geholt, die kleinen Meerschweinchen gestreichelt und gefüttert und die Hofkatzen verwöhnt. Das alles braucht natürlich seine Zeit und so war man meist erst um acht soweit, dass man an das Abendessen denken konnte.
Ob wir noch was anderes gemacht haben als Kühe zu füttern? Ja klar wir haben gegrillt und lecker Bier getrunken nach den Tagestouren. Achso natürlich wir haben auch Touren unternommen. Da das Wetter aber sehr unbeständig war und man nie wissen konnte ob es in zwei Stunden bei Sonne schön warm wird oder bei windgepeitschten Regen etwas kühl waren die Radtouren eher kurz gehalten. Vormittags ging es also mit dem Auto zu Isabels Lieblingsflugtieren. Schmetterlinge! Bananenfalter die Handteller groß waren und handzahm. Nachmittags nachdem es dann doch noch schön sonnig geworden war ging es mit dem Radl noch bis zu dem Weiher.
Der war zwar nur zwei Kilometer weiter, aber Isabel hat den gesamten Weg mit dem Laufrad zurückgelegt. Naja und wenn man schon mal da ist wurde auch dem bräunlichen Sumpfwasser gebadet. Ein Erlebnis was auch Isabel gefallen hat.
Aber wenn wir schon fast in den Alpen sind, dann muss natürlich auch auf einen Berg hoch. Meine Kindheitserinnerungen kamen auch da wieder, aber mit Isabel kann man noch keine großen Wanderungen machen. So haben wir uns was Einfaches ausgedacht und sind mit der Breitenbergbahn hoch zum Breitenberg und die letzten Höhenmeter dann zu Fuß gegangen. Mit Höhenangst oder Platzangst in der Kabine hat Isabel keine Probleme nur leider mit der Bergluft.
Diese war entweder zu gut oder es war zu wenig Sauerstoff in der Höhenluft und so musste sie nach 10 Minuten auf meiner Schulter schlafen und ich durfte sie den Berg hochtragen. Runter war sie natürlich putzmunter und war fast nicht zu halten endlich in die Berghütte zu kommen um etwas zu essen.
Am vorletzten Tag wurde dann noch die Schifffahrt probiert und auch hier konnte Isabel gar nicht genug bekommen. Auf dem Forggensee mit dem Schiff rumfahren, wo die Kinder einen eigenen Kommandostand haben war ein echtes Erlebnis. In Füssen gab es dann noch lecker Muffins nach einem kleinen Spaziergang durch die Altstadt. Zum guten Schluss gab es noch einen Besuch im Phönix Bad hier bei uns, wo Isabel das warme Wasser genossen hat.
Alles in Allem war es ein sehr schöner Urlaub bei dem jeder Tag ein schöner Tag war.



"Urlaub auf dem Bauernhof - Eine Kuh(le) Sache"